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E-Democracy

Demokratie konstituiert sich durch regelkonforme demokratische Prozesse. Zentral für das Funktionieren von Demokratie ist das Vertrauen der Bürger in die Effektivität und die Effizienz dieser Prozesse. Dabei bedeutet ‘Effektivität’, dass das Ziel der Demokratie, den Willen des Volkes abzubilden, erreicht wird, und ‘Effizienz’, dass dies zeitnah und ressourcenschonend geschieht. Durch die Digitalisierung demokratischer Prozesse sollen sowohl Effektivität als auch Effizienz gesteigert werden.

Nach Howlett et al. (1995) lassen sich demokratische Prozesse beschreiben als ein nicht endender Zyklus, der aus den folgenden Schritten besteht: (i) Agenda Setting, (ii) Policy Formulation, (iii) Decision Making, (iv) Policy Implementation, (v) Policy Evaluation. Jeder dieser Schritte lässt sich potentiell durch Digitalisierung und die Analyse von Big Data so unterstützen, dass die Beteiligung der Bürgers verbessert und die Effizienz erhöht wird.

Allerdings werfen Big Data und Digitalisierung auch neue Probleme auf. Die abgelaufene US-Wahl zeigt, wie Agenda Setting auch mit Hilfe sozialer Medien fehlgeleitet werden kann und wie daraus ethisch problematische Policy Formulations resultieren können. Die Entscheidung für den Brexit zeigt wie Decision Making ohne Verständnis der Folgen die Absichten der Wählerschaft konterkarieren kann. Eine Digitalisierung von Verwaltungshandeln muss so durchgeführt werden, dass unbefugtes oder unethisches Ausspionieren des Bürgers ausgeschlossen wird und schließlich bieten Digitalisierung und Big Data Ansatzpunkte für die Policy Evaluation, die aber durch entsprechende neue Technologien, z.B. Open Data, auch ermöglicht werden muss.

Zielsetzung

Im Projekt E-Democracy untersuchen wir, wie man mit Big Data und Digitalisierung die Demokratie von morgen gestalten kann, in drei Teilprojekten:

  1. Politisch relevante Online-Diskurse 
    Akteure (Bürger, Organisationen, Politiker etc.) führen politisch relevante Online-Diskurse. Das Ziel ist es, politisch relevante Diskurse zu analysieren, Werkzeuge zu entwickeln, die zum Verstehen von Falschinformation, “gesunden” und pathologischen Diskursverläufen und von Macht und Gewalt beitragen. Anhand von ausgewählten Diskursen wird das soziale und politische Profil, die Motivationen und Zielsetzungen der relevanten Akteure sowie die Wirkung ihrer Kommunikation untersucht.
  2. Politische Partizipation
    Online-Kommunikation erweitert bestehende Beteiligungsformen und ermöglicht neue Beteiligungsangebote. Partizipation kann direkt (Co-Creation, Co-Production, Meinungsäußerung) oder auch indirekt (Bürger stellen Daten zur Verfügung) erfolgen. Es wird untersucht, wie neue oder veränderte Möglichkeiten der Digitalisierung auf das demokratische Bewusstsein von Bürgern einwirken und wie das Internet die direkte Beteiligung der Bürger an gesellschaftlichen Prozessen verändert. Dabei werden sowohl kommunikationspsychologische als auch technische Einflussfaktoren auf die Akzeptanz von Beteiligungsangeboten im Internet untersucht. Das hierbei entwickelte Verständnis der Prozesse und Zusammenhänge mündet in die Entwicklung von Leitlinien und Werkzeugen für Bürger und Organisationen, die die Bürgerbeteiligung über das Internet unterstützen. Big Data ist hierbei ein Vehikel um indirekte Partizipationsformen (z.B. “Spenden” von Citizen Data) zu realisieren und zu nutzen.
  3. Unterstützung von Entscheidungsprozessen
    Direkte und indirekte Bürgerbeteiligung beeinflusst das Treffen von demokratischen Entscheidungen sowohl des Wählers (“Wen wähle ich?”), des Gewählten (“Wofür stimme ich?”) als auch des Mitgestaltenden (“Wie beteilige ich mich?”). Der Schwerpunkt erforscht, welche Faktoren die Entscheidungsprozesse von Bürgern und Politikern im Internet beeinflussen und entwickelt Werkzeuge zur digitalen Entscheidungsunterstützung (z.B. Diskurswerkzeuge, Policy Modeling und Policy Simulation, Serious Games) sowie E-Partizipationswerkzeuge (z.B. E-Voting, Liquid Democracy, Beteiligungsplattformen, Nutzung von Big Open Data)

Project Progress and News

Projektteilnehmer

Im Projekt forschen Arbeitsgruppen aus drei Fachbereichen gemeinsam zum Thema EDemocracy. Ziel ist ein interdisziplinäres Verständnis von Wirkmechanismen unserer Demokratie in Zeiten der Digitalisierung. Projektteilnehmer:

Web Science: Prof. Dr. Steffen Staab
E-Government: Prof. Dr. Maria Wimmer
Politikwissenschaft: Prof. Dr. Jürgen Maier
Politische Psychologie: JProf Dr. Tobias Rothmund